News
Rückblick: Veganer Ökolandbau in der Praxis – Exkursion zum Biohof Hausmann
Im Rahmen des agrarökologischen Moduls „Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung“ im Masterstudium Geoökologie an der Universität Bayreuth wurde dieses Jahr bereits zum zweiten Mal eine Exkursion zum Biohof Hausmann angeboten. Ein Rückblick.
Landwirt Daniel und die Exkursionsteilnehmer*innen schauen über den Betrieb - © Tom Zimmermann
Der Biohof Hausmann liegt in Breitenborn bei Rochlitz, zwischen Leipzig und Chemnitz und wird als Familienbetrieb geführt. 2012 hat Daniel Hausmann den damals noch konventionell bewirtschafteten Hof mit Rinderhaltung von seinem Vater Jens übernommen, während er Ökolandbau und Vermarktung an der HNE Eberswalde studierte. Seit 2014 wird der Hof bewusst bio-vegan bewirtschaftet und ist seit 2023 als „biozyklisch-vegan“ zertifiziert. Diese Anbauform folgt den Grundsätzen und Vorgaben des Ökolandbaus, schließt dabei aber jegliche kommerzielle Tierhaltung aus und verwendet keinerlei Betriebsmittel tierlichen Ursprungs (kein Mist, keine Gülle, keine Schlachtabfälle etc.). Der ehemalige Kuhstall wurde zum Hofladen umgebaut; zusätzlich werden in Leipzig jede Woche Gemüsekisten verteilt.
Bunter Blühstreifen im Gemüsefeld - © Tom Zimmermann
Aktuell bewirtschaftet Daniel Hausman mit seinem Team 65 Hektar, davon 5 ha Grünland, 56 ha Acker, 1 ha Kartoffeln und 3 ha Gemüse. Das Grünland wird zweimal im Jahr geschnitten und der Aufwuchs kompostiert, um die Nährstoffe betriebsintern zu recyceln. Auf dem Acker werden Kleegras, Getreide (Weizen, Hafer, Roggen, Dinkel, Lupinen) und verschiedene Zwischenfrüchte angebaut. Der Gemüseanbau ist sehr vielfältig: mindestens 60 verschiedene Gemüsearten mit meist verschiedenen Sorten wachsen auf der Fläche. Zudem gibt es Folientunnel und eine Streuobstwiese. Der Biohof Hausmann ist damit ein Vorzeigebetrieb in Sachen nachhaltiger Lebensmittelproduktion und Diversifizierung des Anbaus. Besonderer Wert wird auf die Förderung der Artenvielfalt und eines gesunden Bodenlebens, auf die Schließung organscher Stoffkreisläufe sowie auf einen gezielten Humusaufbau gelegt. Das macht den Betrieb auch aus agrarökologisch-wissenschaftlicher Perspektive sehr spannend – und eine Exkursion lohnenswert.
Exkursionsteilnehmer*innen vor dem Folientunnel für Tomaten - © Tom Zimmermann
Bereits im Sommer 2024 besuchten Geoökologie-Studierende der Universität Bayreuth daher den ersten veganen Biohof Sachsens. Am 3. August 2026 fand nun die zweite Exkursion statt, um Einblicke in die Praxis des veganen Ökolandbaus zu bekommen. Zuvor hatten sich die Studierenden bereits in Vorlesung und Seminar aus wissenschaftlicher Perspektive mit dem Thema befasst. Nach der Ankunft auf dem Hof zeigte uns Daniel die verschiedenen Flächen, erklärte seine Anbauweisen mit Fokus auf bio-veganen Gemüseanbau und stand zur Beantwortung zahlreicher Fragen zur Verfügung. Teil dieser Hofführung waren auch die Seminarinhalte (z.B. Fruchtfolgen, Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchte und Gründüngung). Auch das Wurzelwachstum und sogar eine Duftprobe am Kompost aus eigenem Kleegras waren Teil der Führung. So konnten Theorie und Praxis sehr gut verknüpft und gemeinsam diskutiert werden.
Landwirt Daniel zeigt das Wurzelsystem einer Pflanze - © Tom Zimmermann
Exkursionsteilnehmer*innen riechen am betriebseigenen Kleegraskompost - © Tom Zimmermann
Nach einer Mittagspause unter Birnen- und Walnussbäumen wurden mögliche Fragestellungen und Orte für die Entnahme von Bodenproben diskutiert. Die genommenen Bodenproben wurden im Anschluss an die Exkursion in der ebenfalls zum Modul gehörigen Laborübung auf Parameter der Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung analysiert. Während die Studierenden im Sommer 2024 untersuchten, wie sich die Dauer bio-veganer Bewirtschaftung (Vergleich von Flächen nach 4, 7 oder 10 Jahren bio-veganem Anbau mit konventionellen Nachbarflächen) auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt, wurden in diesem Jahr gleich zwei Fragestellungen entwickelt: Einerseits zu den Effekten von Kompost und Plastik- vs. Lebendigem Mulch auf die Bodenfruchtbarkeit, andererseits zum Vergleich von Kleewegen, Luzerne-Kleegras und Grünland. Die Ergebnisse werden im Moment von den Studierenden ausgewertet.
Besprechung nach der Mittagspause - © Tom Zimmermann
Bohrkern mit einer Bodenprobe - © Tom Zimmermann
Als besonderes Highlight ermöglichen wir hier einen 3D-Blick auf das Gemüsefeld (© Tom Zimmermann):
Zum Abschluss möchte ich mich herzlichst bei Daniel Hausmann für die Möglichkeit der Exkursion und Probenahme sowie bei Tom Zimmermann für die Fotodokumentation bedanken.
Text: Dr. Ulrike Schwerdtner | Fotos: © Tom Zimmermann